Die japanischen Jahreszeiten, Tee und Food Pairing
Japan hat vier sehr ausgeprägte Jahreszeiten: Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Jede Jahreszeit bringt ihre eigenen Landschaften, Traditionen, Speisen und Teesorten mit sich. Die traditionelle japanische Küche, auch „Washoku“ genannt, basiert stark auf dem Prinzip der Saisonalität.
In diesem Blog stelle ich einige saisonale Tees und Speisen vor, die die Essenz der japanischen Kultur widerspiegeln.
[Frühling]
Der Frühling beginnt mit der wunderschönen Kirschblüte. Die Menschen genießen das Ohanami – das traditionelle Betrachten der Kirschblüten.
Oft veranstalten wir kleine Picknicks oder Feiern unter den blühenden Bäumen, tagsüber oder auch nachts. Dabei essen wir Sakuramochi: ein japanisches Dessert aus rosa Mochi mit süßer roter Bohnenpaste (Anko), eingewickelt in ein eingelegtes Kirschblatt.
Tee- & Food-Pairing
– Guri-cha
Ein milder Grüntee mit Zitrusnoten und einem leicht honigartigen Nachgeschmack.
– Onigiri (Reisbällchen)
Reis wird in Dreiecks- oder Zylinderform gebracht und oft mit Nori-Algen umwickelt. Traditionelle Füllungen sind eingelegte Pflaumen (Umeboshi), gesalzener Lachs, Bonitoflocken oder Kombu-Algen. Perfekt für ein Frühlingspicknick.

[Sommer]
Der Sommer in Japan ist heiß und feucht. Nach der Regenzeit, die von Ende Mai bis Mitte Juli dauert, steigen die Temperaturen oft über 35°C.
In dieser Zeit ist ausreichende Flüssigkeitszufuhr besonders wichtig. Eisgekühlter Sencha eignet sich perfekt, da er reich an Catechinen, Chlorophyll, Antioxidantien und Vitamin C ist. Außerdem enthält Sencha viele Tannine, die eine kühlende Wirkung auf den Körper haben.
Dazu essen wir oft Mizuyōkan, ein japanisches Geleedessert aus roter Bohnenpaste, Agar-Agar und Zucker.
Tee- & Food-Pairing
– Sencha
Der beliebteste japanische Grüntee mit frischem, grasigem Geschmack.
– Mizuyōkan / Mochi / Eis aus roten Bohnen
Falls Mizuyōkan schwer erhältlich ist, kann man ganz einfach Eis aus roten Bohnen selbst herstellen. Gekochte rote Bohnen werden mit Zucker und etwas Salz verfeinert und anschließend eingefroren. Serviert mit etwas Sahne und Matchapulver entsteht ein köstliches Dessert.
Eines meiner absoluten Lieblingsdesserts!

[Herbst]
Der Herbst ist Erntezeit. Frischer Reis wird geerntet und viele köstliche Zutaten kehren zurück: Pilze, Süßkartoffeln, Kakis, Kastanien und Pazifischer Makrelenhecht.
Außerdem färben sich die Blätter in wunderschöne Rot- und Gelbtöne.
In Japan sagt man oft: „Der Herbst ist die perfekte Jahreszeit für Sport, Kunst und gutes Essen.“
Tee- & Food-Pairing
– Genmaicha
Eine Mischung aus Sencha-Grüntee und geröstetem Naturreis mit leichtem Popcorn-Aroma.
– Sanma (Pazifischer Makrelenhecht)
Im Herbst ist Sanma besonders fettig und aromatisch. Er wird meist gegrillt und mit geriebenem weißen Rettich serviert, dessen leichte Bitterkeit das Fett des Fisches perfekt ausgleicht.
[Winter]
Das japanische Neujahr (Oshōgatsu) gehört zu den wichtigsten Feiertagen Japans. Die ganze Familie kommt zusammen, um festliche Speisen zu genießen.
Außerdem feiern wir das Hatsugama, die erste Teezeremonie des neuen Jahres. Im Tokonoma – einer traditionellen Nische im japanischen Raum – wird eine saisonale Schriftrolle ausgestellt und dazu Hanabira-Mochi serviert: Mochi mit weißer Miso-Paste und Klettenwurzel-Füllung.
Tee- & Food-Pairing
– Hōjicha
Gerösteter Grüntee mit nussigem Aroma und wenig Koffein.
– Japanischer Hot Pot
Der japanische Hot Pot ist einfach und gemütlich. Aus Kombu, Sojasauce, Sake und Mirin wird eine Dashi-Brühe hergestellt. Anschließend fügt man Gemüse, Pilze, Tofu, Fleisch oder Fisch hinzu.
Ein wunderbar wärmendes Gericht, perfekt zum Teilen mit Freunden an kalten Winterabenden.
Meine persönliche Erfahrung mit Matcha
Meine Großmutter, die letztes Jahr verstorben ist, war in unserer Familie so etwas wie eine Teemeisterin. Nach dem Abendessen hatten wir oft eine wunderschöne gemeinsame Teezeit.
Sie brachte mir bei, wie man Matcha richtig zubereitet, wie man die Teeutensilien verwendet und wie man Matcha zusammen mit Wagashi – traditionellen japanischen Süßigkeiten – genießt.
Oft bereitete sie einen sehr starken und bitteren Matcha zu. Als kleines Mädchen war mir das manchmal zu intensiv, aber ich erinnere mich noch genau daran, wie harmonisch die Süßigkeiten mit dem Matcha zusammenpassten und alles im Mund milder machten.
Es war keine formelle Teezeremonie, aber wir teilten die Matcha-Schale in der Familie, bewunderten die schönen Matcha-Schalen – besonders eine wunderschöne orangefarbene Schale meiner Großmutter – und genossen gemeinsam die Wagashi.
Es waren warme, liebevolle Momente voller Fürsorge und Gemeinschaft.
AYA YOSHIDA / 吉田 文